CAJ-Spiritualität

Das C in der CAJ

Hier findest du unser ganzen Selbstverständnis zum "C in der CAJ". Wenn du es vertiefen möchtest, schau gerne mal in unsere Arbeitshilfe.
Du kannst das Selbstverständnis als PDF herunterladen oder einfach auf dieser Seite weiterlesen.

Das Christliche in der CAJ. Unsere geistlichen Grundlagen und wie wir sie lebendig halten

Als Christliche Arbeiterjugend sind wir tief verwurzelt in unserer Spiritualität. Indem wir dieses Selbstverständnis zum C formulieren, vergewissern wir uns unserer geistlichen Grundlagen, um sie lebendig zu halten. Das Selbstverständnis formulieren wir in einer historischen Situation, in der es für uns besonders wichtig ist, zu betonen, wofür wir stehen. Wir erleben derzeit eine Situation sichtbar wachsender Vielfalt in Deutschland, und wir erleben eine Anfeindung dieser Vielfalt in Form erschreckender gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Gleichzeitig dazu nimmt die Relevanz traditioneller kirchlicher Strukturen auch dort, wo sie bislang stabil waren, ab. Viele junge Menschen haben Vorbehalte gegenüber Kirche und Christentum. In der CAJ leben wir vielfach eine große Offenheit und sehen die innere Vielfalt, auch was die Religion betrifft, als Chance. Damit beschreitet die CAJ ungewohnte Wege für einige Menschen in der Kirche. Da verwundert es wenig, dass die Frage wichtig wird: Was bedeutet für die CAJ in dieser Situation das Christliche? In welchen Überzeugungen wurzeln wir, und wie halten wir diese Überzeugungen lebendig?

Wenn die CAJ aus ihren Ursprüngen heraus gerade auch Menschen organisiert, die wenig Kontakt zur Kirche haben, bleibt die Frage: Wie können wir unserem Anspruch gerecht werden, dass die Menschen, die wir organisieren, auch tatsächlich den Bildungsprozess durchlaufen können, der in der CAJ bedeutet, zunehmend Verantwortung für die Aktion der CAJ zu übernehmen, und gleichzeitig die christlichen Quellen der CAJ und die Spiritualität der CAJ-Methodik lebendig halten?

Wir wollen in dieser Situation bekräftigen, auf welchen Grundlagen wir arbeiten, was unsere besondere Spiritualität ausmacht und welche Optionen wir aus dieser Spiritualität entwickeln.

Wir sehen uns in unserer Spiritualität in der Nachfolge Jesu und dessen froher Botschaft verwurzelt, in der Ausprägung, wie sie unsere internationalen Grundlagendokumente formulieren. Das folgende Bekenntnis kann erst vor dem Hintergrund der Internationalen Grundsatzerklärung, dem Bildungsauftrag und dem ROLWA-Dokument der CAJ voll verstanden werden. Damit stehen wir in der Tradition Josef Cardijns und vieler CAJler*innen durch die Geschichte hindurch und weltweit.

Wir formulieren nichts gänzlich Neues, doch wir erkennen die Wichtigkeit, in der gegenwärtigen Situation auf bestimmte Aspekte einen Fokus zu legen.

Unsere theologische Grundlage: Die Würde und Berufung jedes Menschen

Josef Cardijn hat uns diese Überzeugung in die DNA der CAJ eingeschrieben, und seither wird sie nicht nur bekräftigt, sondern, so gut es uns gelingt, in unserer Praxis bezeugt: Jeder Mensch ist ein Kind Gottes. Jeder Mensch hat eine Würde. Sie*er ist mehr wert als alles Gold der Erde. Und jeder Mensch hat eine Berufung, die nur sie*er auf der Welt erfüllen kann und soll. Wichtig ist uns, dass diese Grundüberzeugung ein Spannungsfeld eröffnet: Auf der einen Seite ist jeder Mensch unbedingt angenommen, und zwar vor jeder eigenen Leistung. Auf der anderen Seite ist an jeden Menschen ein sehr hoher Anspruch gestellt, der eigenen Verantwortung nachzukommen. Beides verkünden wir gleichwertig und aus denselben Gründen. Diese Überzeugung ist derart fundamental, dass sie sich in allen weiteren Überzeugungen je unterschiedlich wiederfinden wird.

Wir verkünden die Gotteskindschaft jedes Menschen: „Du bist angenommen.“

Unsere Erfahrungen

Viele Menschen, die zu CAJ-Treffen neu dazu kommen, sind überrascht: Ich bin angenommen, wie ich bin, mit allem, was mich ausmacht. Viele erleben dies erstmals in der CAJ. Wir erfahren eine große Freiheit im Umgang miteinander, können unsere Empfindungen äußern und darauf vertrauen, dass wir dafür nicht verurteilt werden. Wir entwickeln auf diese Weise eine große, bereichernde Vielfalt und Offenheit.

Unsere Überzeugung

Wir sind gesandt zu allen Kindern Gottes, das heißt zu allen Menschen. Wir möchten ein Miteinander schaffen, in dem sich alle Menschen angenommen fühlen können. Darin sind wir Zeichen der Liebe Gottes zu seinen Kindern. Wie wir in der internationalen Grundsatzerklärung schreiben, ist die CAJ „eine gute Nachricht für die Arbeiter*innen, für die Unterdrückten und Geknechteten.“ Dass wir eine gute Nachricht sind, sollen die Menschen nicht erst nach langem Einleben, sondern direkt empfinden können. „Jeder Mensch ist mehr wert als alles Gold der Erde, weil sie*er Tochter oder Sohn Gottes ist.“ Das soll sie oder er auch spüren.

Was heißt das konkret?

Wir alle tragen dazu bei, dass wir dieses „Angenommen-Sein“, das wir selbst erleben, weitertragen, gerade auch zu Menschen, die sonst häufig andere Botschaften erhalten, sei es, aufgrund des Drucks in ihren Arbeitsbedingungen, sei es, aufgrund ihres Aufenthaltsstatus, sei es aufgrund eines Handicaps oder aufgrund einer anderen Lebensrealität. Damit wir in vielfältigen Kontexten gut in Kontakt kommen können und ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen haben, ist es wichtig, dass auch die Menschen, die bei uns Verantwortung übernehmen, vielfältige Hintergründe haben. Darunter zählt ausdrücklich auch eine Vielfalt, was die religiöse Verortung angeht. Unsere Organisationsform ergibt sich aus dieser Art und Weise, in der wir arbeiten. Die CAJ-Strukturen mit ihren spezifischen Verantwortlichkeiten ergeben sich aus der besonderen Sendung zu den Arbeiter*innen. Wir behalten uns vor, diesen Eigensinn unserer Strukturen selbstbewusst zu leben.

Wir verkünden die Berufung und Sendung jedes Menschen: „Du trägst Verantwortung.“

Unsere Erfahrungen

Schon nach kurzer Zeit sind viele von uns verblüfft: Durch die CAJ, herausgefordert durch die Methode Sehen-Urteilen-Handeln, verändere ich etwas in meinem Leben. Diejenigen, die schon lange dabei sind, sagen Sätze wie: „Ich bin durch die CAJ geprägt fürs Leben.“ Oder: „Wichtige Lebensentscheidungen habe ich aufgrund der Bildung getroffen, die ich bei der CAJ erlebt habe.“ Viele kleine Bildungsprozesse finden in der CAJ statt, und über die ganze CAJ-Biographie gesehen, sind es häufig lebensverändernde Prozesse. Von Anfang an ermutigen wir Personen, an neuen Herausforderungen zu wachsen, und trauen ihnen Aufgaben zu, die sie sich selbst vielleicht nicht zutrauen. Das geht natürlich einher damit, dass wir uns gegenseitig dabei begleiten, auch in die Verantwortung hinein zu wachsen. „Ein*e CAJler*in macht nie etwas alleine“, ist hier ein wichtiges Stichwort. Wir lernen miteinander, und auch aneinander, wo wir zunächst unterschiedliche Vorstellungen haben.

Unsere Überzeugung

Dass wir Menschen herausfordern, Verantwortung zu übernehmen, ist in der tiefen Überzeugung verwurzelt, dass jeder Mensch die eigene Aufgabe nur selbst übernehmen kann. Doch hat nicht jeder Mensch unmittelbaren Zugang dazu, sich diese Verantwortung zuzutrauen. In der Bibel sind die Berufungsgeschichten Geschichten, in denen sich Menschen die ihnen zugetragene Aufgabe nicht zutrauen. Diese Bildungsprozesse sind damit gleichzeitig Berufungswege. Wir halten langfristige Wege für notwendig: Menschen müssen Schritt für Schritt eigene Wege in die Verantwortung finden, und wir sind als CAJ ein Werkzeug, diesen Ruf Gottes über eine lange Zeit zu verkörpern. Diesen Ruf machen wir durch viele alltägliche Ermutigungen vernehmbar. Ein wichtiges Mittel dazu ist außerdem die Möglichkeit, in der CAJ längerfristig Aufgaben und Ämter zu übernehmen. Indem wir unseren Mitstreiter*innen in der Wahl unser Vertrauen aussprechen, handeln wir in dem Vertrauen darauf, den Ruf Gottes an sie weiterzugeben.

Was heißt das konkret?

Wir gestalten unsere Arbeit in der CAJ gleichzeitig einladend und herausfordernd. Wir bieten die Möglichkeit, der eigenen Berufung, soweit möglich, in der CAJ nachzugehen. Gleichzeitig fordern wir auch heraus: Wenn ein junger Mensch in der ROLWA erkannt hat, dass sie*er in einer Situation handeln muss, um etwas zu ändern, ermutigen wir, den Schritt auch wirklich zu gehen. Wenn eine Person eine Verantwortung übernommen hat, bestärken wir sie darin, dieser Verantwortung auch nachzukommen. Denn „Wir müssen dem Arbeiter klarmachen, dass er eine göttliche Sendung hat und dass diese seine Sendung notwendig ist für die Kirche, notwendig für Christus, notwendig für Gott, und dass ihn in dieser seiner Sendung niemand ersetzen kann.“ (Cardijn, Schicksalsstunde der Arbeiterschaft, S. 33). Nicht für jede*n von uns ist immer die CAJ die Organisation, in der sie*er der eigenen Berufung nachkommt. Wir ermutigen dazu, auch in anderen Bereichen verbindlich den Kampf für eine gerechte Welt mitzukämpfen, sowohl in und außerhalb von Verbänden und Organisationen, im privaten Umfeld als auch im eigenen Leben. Uns ist es wichtig, dass CAJler*innen aus diesem Anstoß auch über ihre CAJ-Zeit hinaus leben. Klar ist für uns, dass wir allen, die sich mit uns auf den Bildungs- und Aktionsweg begeben, die Möglichkeit geben, ihrer Sendung als Teil der CAJ nachzukommen. Dazu gehört auch, dass wir ihnen den Zugang zu Ämtern offenhalten. Die gewählten Leitungen erhalten ihre Legitimität in erster Linie durch das Vertrauen, das ihnen ihre Mitstreiter*innen aussprechen, und in dem sich, so unsere Überzeugung, der Ruf Gottes ausdrückt, auch bei denen, die nicht katholisch sind. Wir wollen darauf achten, dass sie geprägt sind durch das, was sie in der CAJ erlebt haben, dass sie für die CAJ eintreten wollen, und daher die Tradition und die Spiritualität der CAJ weitertragen. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, jedem Menschen, der mit uns in der CAJ unterwegs ist, das weiterzugeben, was wir vom Evangelium verstanden haben.

Wir leben unsere Mystik: Sehen – Urteilen – Handeln!

Unsere Erfahrungen

In der CAJ üben wir uns darin, unsere Lebensrealitäten und -erfahrungen zutiefst ernst zu nehmen. Wir schauen auf unsere Realitäten, gerade auf das, was uns Probleme bereitet oder Freude macht. Und wir schauen auf unser eigenes Handeln in diesen Realitäten und unsere Aktionen. Diese Hinwendung zur Lebenswirklichkeit erleben wir als etwas Außergewöhnliches: Denn wir möchten wirklich verstehen, warum die Situation ist, wie sie ist, und welche Folgen sie hat. Damit verstehen wir auch uns und unser Verhalten besser. Wir erleben, dass unsere Wahrnehmungen wirklich relevant sind. Dabei lernen wir auch, uns ganz auf die Erfahrungen der anderen einzulassen, die erzählen, und üben uns darin, andere Menschen auf eine Weise ernst zu nehmen, die uns sonst häufig fehlt. Indem wir dann im Urteilen die Situationen mit unseren Gefühlen, mit unseren Überzeugungen und unserem Glauben in Verbindung bringen, entdecken wir immer wieder, welche religiöse Relevanz diese Erfahrungen haben. Für viele von uns ergibt sich aus dieser Praxis eine Spiritualität, die Einfachheit und Tiefe vereint.

Unsere Überzeugung

Die ROLWA ist eine spirituelle Methode. Die gesamte Fundierung der Methode, das Einlassen auf die Lebenswirklichkeit, hat nicht in erster Linie pädagogische, sondern geistliche Gründe. Der Glaube ist die Grundlage aller drei Schritte - des Sehens, des Urteilens und des Handelns - und spielt nicht nur beim Urteilen eine Rolle. Wir sehen deshalb so genau hin, weil aus unserem Glauben heraus unsere Lebensrealitäten so wichtig sind.  Das hat die Pastoraltheologin Stephanie Klein theologisch folgendermaßen formuliert: „Der Glaube kommt nicht erst sekundär als ein normatives Deutungsinstrument der erhobenen Situation ins Spiel, sondern liegt als normative Prämisse der gesamten Methode zugrunde. Die aufmerksame Zuwendung zur Lebenswirklichkeit eines jeden Menschen und zu ihren einfachsten Alltagserfahrungen ist bereits ein Glaubensakt, in dem der Glaubensinhalt, die in Gott gründende Würde und Berufung dieses Lebens, erfahrbar gemacht und performativ vollzogen wird.“ (Erkenntnis und Methode, S. 70f.) Dass „die in Gott gründende Würde und Berufung dieses Lebens […] performativ vollzogen wird“, heißt für uns, dass wir diese Würde und Berufung in unserem Tun erlebbar machen. Im Kontext der CAJ wurde diese geistliche Haltung auch so beschrieben, dass es uns darum geht, „Christus überall zu sehen“ (Cardijn, Laien im Apostolat, 51f.). Diese Deutung setzt voraus, dass Christus in der Welt selbst entdeckt werden kann. Und zwar hat er uns die Anleitung gegeben, dass er gerade dort zu finden ist, wo Menschen leiden (vgl. Mt 25, worauf sich auch Cardijn bezieht). Diese Mystik treibt uns gerade zu Menschen, unter denen die Kirche sonst nicht präsent ist, unter Anderem zu Menschen mit prekären Lebensumständen, zum Beispiel, weil sie unter prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten, oder weil sie einen Fluchthintergrund haben. Jedenfalls ist es aus dieser Mystik heraus kein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, ob eine Person christlich ist oder nicht. Vielmehr ist das Entscheidende, was wir in der ROLWA als relevant erkennen: Das Leben ist das fünfte Evangelium.

Was heißt das konkret?

Wir üben uns selbst immer wieder darin, die ROLWA zu praktizieren, und entwickeln immer weitere Wege, die ROLWA in unseren Aktivitäten zu praktizieren. Auch wenn wir es herausfordernd finden, die geistliche Dimension des Lebens und der Aktionen zu benennen: Wir erleben es als große Stärkung für uns und das was wir tun, und wir können damit selbstbewusst auftreten. Gerne lassen wir uns auch von kompatiblen spirituellen Wegen inspirieren, etwa der Spiritualität der Arbeitergeschwister, die Christus in der Arbeitswelt suchen, oder der Straßenexerzitien, in denen sich Menschen einüben, sich auf ungewohnte Lebenswelten einzulassen, „oft auf Menschen am Rande der Gesellschaft“, und in den Begegnungen Gott suchen.

Sollten sich unsere Mitstreiter*innen, die sich nicht als christlich verstehen, zur Taufe entscheiden, so soll dies aus innerer Überzeugung und aus freien Stücken, ohne Druck, geschehen. Mit der Taufe, die nicht für eine vollwertige Zugehörigkeit in der CAJ von Nöten ist, kann diese Zugehörigkeit um eine Gemeinsamkeit und Erfahrung erweitert werden. Vor allem geht es um den gemeinsamen Kampf aus Liebe, um Übereinstimmung mit unseren Überzeugungen, um Verbindlichkeit, und darum, sich gemeinsam auf die Mystik der CAJ einzulassen. Nicht jede*r muss diese Mystik, die CAJ Methode, für sich geistlich deuten, doch unabhängig von der eigenen Deutung verstehen wir sie als religiösen Akt. Auch, wer die CAJ-Methodik selbst nicht religiös interpretiert, kann ganz im Geiste unserer Mystik sehen, urteilen und handeln, und ist unser*e Mitstreiter*in. Doch wir ermutigen alle, ihren Glauben mit dem Leben zu verbinden, und Gott in der Welt zu entdecken. Wir möchten sicherstellen, dass jede*r in der CAJ die Möglichkeit erhält, die Methode als Mystik zu verstehen und sie in einem religiösen Deutungsraster zu interpretieren. Dafür werden wir nicht nur immer wieder Schulungen anbieten, sondern sind auch intensiv auf der Suche nach passenden geistlichen Leiter*innen, die im Alltag diesen Deutungsrahmen wachhalten. Wir erwarten von den Bistümern Unterstützung in dieser Suche.

Wir machen die Liebe Gottes erfahrbar:  Liebe, die über alle Unterschiede hinweg verbindet

Unsere Erfahrungen

„Uns trennt nicht Farbe, Sprache, Rasse, das kann die Freundschaft nicht entzwei‘n. Ja, alle Brüder/Schwestern dieser Erde schließt das Band der Liebe ein“: Diese Liedzeile gehört zu den am häufigsten gesungenen CAJ-Liedern („Das sind Etappen unserer Siege“). Sie bezeichnet die Erfahrung einer Verbundenheit, die viele sonst übliche Trennungen überwindet. Dies wird zum Beispiel deutlich in der Aktion Eine*r von uns: Menschen mit und ohne Fluchthintergrund stellen in einer Ausstellung ihre Lebensrealitäten vor, die sie vorher auf Augenhöhe miteinander reflektiert haben. Wir sind solidarisch miteinander und teilen unser Leben. Damit entstehen tiefe Freundschaften, die auch durch die gemeinsame Praxis miteinander verbunden ist. Es ist diese Gleichzeitigkeit aus verbindlicher Organisierung, gemeinsamer Praxis und einer großen Liebe und Freundschaft, die einzigartige Beziehungsweisen entstehen lässt.

Wir lernen, uns verbindlich miteinander zu organisieren. Vielfach erleben wir, dass wir diese Form der Verbindlichkeit gegenwärtig in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen nicht lernen, und es fällt am Anfang nicht immer leicht., Doch wir spüren: Die Verbindlichkeit, die wir miteinander leben und voneinander einfordern, dient dazu, diese solidarischen Beziehungsweisen zu ermöglichen. Wir überwinden nicht nur innerhalb der deutschen CAJ Grenzen: Wir sind befreundet mit Arbeiter*innen weltweit.

Unsere Überzeugung

Wenn wir diese Verbundenheit und diese Freundschaften über alle Grenzen hinweg erleben, dann wird für uns darin etwas von der Liebe Gottes und des Reiches Gottes spürbar. Aus dieser Liebe heraus handeln wir, und diese Liebe möchten wir hier und jetzt schon erfahrbar machen. Dass wir dabei Unterschiede beibehalten, verstärkt diesen Effekt noch: Genau dadurch können wir für eine Liebe stehen, die Trennungen überwindet. Der Kampf als Arbeiterklasse wird damit zu einem Zeichen der Liebe Gottes in der Welt, und wir widersetzen uns den Trennungen, die an uns herangetragen werden, aus unserem Glauben heraus. „Eine neue Arbeitsjugend soll aus unserm Kampf entstehen“, heißt es in „Etappen unserer Siege“ weiter. Treffend wird in dieser Liedzeile deutlich, dass wir mit der Weise, in der wir uns zusammenschließen, über uns hinaus auf eine Vision der Vereinigung aller Menschen hinweisen. Beim Propheten Micha lesen wir von der Vision der Völkerwallfahrt: Dort sind die Völker nicht miteinander identisch, aber sie entdecken dieselbe Orientierung für sich und ziehen daher zum Zion, um von dort Weisung zu erhalten, wie sie an einer friedvollen, gerechten Welt bauen können. Diese Völkerwallfahrt möchten wir in unserem Tun verkünden.

Was heißt das konkret?

Wir lassen uns aufeinander ein: In unseren konkreten Beziehungen wollen wir es zulassen, dass Freundschaften entstehen. Gerade auch dann, wenn wir ohne die CAJ in getrennten Welten leben würden. Über die konkreten Beziehungen hinaus möchten wir darüber auch unsere Strukturen prägen: Die verschiedenen Gruppen in der CAJ haben weiterhin Eigenheiten und eine eigene Identität, und die Verbandsstrukturen sollen unter Anderem ein Instrument dazu sein, die unterschiedlich bleibenden Gruppen mit einander zu verbinden und Solidarität und Freundschaft entstehen zu lassen. Wir wollen darin das Verbindende nicht nur entdecken, sondern auch herstellen. Besonders gilt der Aufbau verbindender Strukturen natürlich für die Internationale CAJ: Wir wollen uns auch künftig mit Energie in die internationale CAJ einbringen und die Strukturen stärken, die uns zusammenbringen und die Basis dafür legen, in internationaler Solidarität am Wandel der Gesellschaft zu arbeiten.

Die Aktion ist unser Gottesdienst

Unsere Erfahrungen

Aus der ROLWA heraus entwickeln wir Aktionsprozesse. Wenn wir erkannt haben, dass die Realität der Würde und Berufung von Menschen widerspricht, gehen wir in Aktion, das heißt, wir analysieren noch tiefgehender die Ursachen, wir entwickeln eine Vision, wie die Welt sein sollte, und wir kämpfen für eine andere Welt. Wir erleben diese Aktionen sowohl im großen Maßstab (z.B. im Kampf gegen prekäre Arbeit) als auch im Nahbereich (z.B. um einen Nachteilsausgleich für Nicht-Muttersprachler*innen an der eigenen Schule) und im besten Falle kombinieren wir die verschiedenen Maßstäbe. In diesen Aktionen erfahren viele CAJler*innen, selbst wirklich etwas bewegen zu können. Wir erfahren uns als Handelnde, nicht nur als Betroffene in sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Prozessen. Damit finden wir einen Ausdruck für das eigene Gefühl von Ungerechtigkeit, überwinden das Gefühl von Ohnmacht, und wir lernen, politisch hörbar und wirksam zu handeln. Wir lernen, eine Haltung nicht nur zu haben, sondern sie zu verkörpern und für sie einzustehen, entwickeln eine Solidarität mit unseren Mitkämpfenden, auch die, die wir nicht persönlich kennen, und ein Bewusstsein, dass wir zusammengehören. Viele von uns beginnen, eigene Opfer für ihren Einsatz zu bringen, weil sie die Wichtigkeit einer Veränderung der Welt erkannt haben, und weil sie gelernt haben, dass der Kampf um eine bessere Welt auch von ihnen abhängt.

Unsere Überzeugung

Mit unseren Aktionen bekräftigen wir, dass der Glaube an Jesus Christus ein Glaube an eine Verheißung für diese Welt ist. Jesus ist aus Liebe zu allen Menschen und für deren Befreiung gekommen, und er hat sich für diese Verheißung geopfert. Wir haben von ihm gelernt, dass diese Liebe darauf drängt, sich für die Befreiung aller Menschen real einzusetzen und aufzuopfern. Wer in der Nachfolge Jesu steht, ist primär an der Praxis erkennbar, die sie*er aus einer Haltung der Liebe heraus für den Kampf um eine bessere Welt führt. Wir können dabei auch vom „Primat der Praxis“ sprechen. Daher können wir sagen: „Die Aktion ist unser Gottesdienst“. Die Gottesdienst-Feiern, in denen wir Christus explizit in unserer Mitte begrüßen, sind integraler Bestandteil dieser Aktionsprozesse. Nicht zuletzt, um diese innere Verbindung auszudrücken, haben wir unsere 70- Jahr-Feier unter das Motto Sehen-Urteilen-Handeln-Feiern gestellt. Es geht uns darum, zu bekräftigen: Das Religiöse ist nicht ein Sonderbereich, den wir nur in den Gottesdienstfeiern oder Impulsen betreten. Religiös sind wir immer da, wo wir aus unserem Glauben, unserer Haltung und unserer Methode heraus in Aktion treten.

Was heißt das konkret?

Mit der Identität von Gottesdienst und Aktion machen wir uns das Leben nicht einfacher, im Gegenteil: Was für einen hohen Anspruch tragen wir an unsere Praxis heran, wenn sie nicht nur einem eingegrenzten Set von religiösen Regeln entsprechen soll, sondern beansprucht, etwas von der Reich-Gottes-Vision erfahrbar zu machen? Und auch die Gottesdienst-Feiern stehen unter dem hohen Anspruch, nicht nur in sich abgeschlossene Events zu sein, sondern in enger innerer Verbundenheit mit der gesamten Aktion zu stehen. Doch wir sind stolz auf jeden Augenblick, in dem diese Verbindung spürbar war. Wir erleben diese Augenblicke als religiöse Erfahrungen. Wir möchten weiter in Aktion treten, und dabei immer wieder in Momenten der Feier oder der Stille ins Bewusstsein rufen, welches unsere zu Grunde liegende Spiritualität ist.

Unsere Mission: Wir sind prophetisch – wie sich unsere Sendung als Gesamtheit verstehen lässt

Wir haben ausgedrückt, was unsere geistlichen Wurzeln sind, und welche Spiritualität wir leben. Die zentralen Merkmale dieser Ausrichtung unseres Glaubens erleben wir gerade durch ihren inneren Zusammenhang als kraftvoll. Alles fußt auf der Überzeugung, dass jeder Mensch Kind Gottes ist, und daher eine unendliche Würde und gleichzeitig eine Berufung in der Welt hat. Daher senden wir in Wort und Tat zwei Botschaften in die Welt:

  • Wir verkünden die Gotteskindschaft jedes Menschen: „Du bist angenommen.“
  • Wir verkünden die Berufung und Sendung jedes Menschen: „Du trägst Verantwortung.“

Diese Botschaften können wir glaubwürdig und deutlich verkünden, weil (und wenn) wir unsere eigene Spiritualität entwickelt haben, die genau dazu passt, weil wir unsere Überzeugungen in unserer Organisationsform abbilden, und weil wir in unseren Aktionen die Welt im Sinne unseres Glaubens gestalten:

  • Wir leben unsere Mystik: Sehen – Urteilen – Handeln!
  • Wir machen die Liebe Gottes erfahrbar: Liebe, die über alle Unterschiede hinweg verbindet
  • Die Aktion ist unser Gottesdienst.

Mit dieser Spiritualität setzen wir in der Nachfolge Jesu den gegenwärtigen Unterdrückungen, Ungleichheiten, Gleichgültigkeiten, auch den Rassismen und den verschiedenen weiteren Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit etwas entgegen. Diesen Auftrag muss die gesamte Kirche mehr als ihren Auftrag in dieser Zeit begreifen. Wir sehen die gesamte Kirche vor dem Auftrag, angesichts der gegenwärtigen geschichtlichen Situation eine darauf reagierende, konsequente und mutige Form der Nachfolge zu leben. Wir sehen uns als prophetische Kraft, die eigene Wege entwickelt, um eine solche Form der Nachfolge vorzuleben.

Termine

Fr, 27.11.20 - So, 29.11.20 BAG Bildungsgestalter*innen in digital
Di, 08.12.20 - Fr, 11.12.20 Ansteckertage für neue Hauptamtliche, Hauptberufliche und geistliche Leitungen in der CAJ in Essen, Haus am Turm
Fr, 18.12.20 - So, 20.12.20 BAG Geschlechtergerechtigkeit in Heidelberg
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