Internationale CAJ zu Gast in der Bundesgeschäftsstelle

20100318 1313 kleinAm 18. März empfing der CAJ-Bundesvorstand, vertreten durch Gregor Gierlich und Stephen Makinya einen hohen Besuch aus Brüssel: Bridget Rauch, Generalsekretärin der europäischen CAJ und Arlindo de Oliveira, Schatzmeister der internationalen CAJ, kamen zu einem Arbeitsgespräch in die Bundesstelle nach Essen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand der Austausch über die aktuellen Arbeitsschwerpunkte und allgemeine Situation der jeweiligen Ebenen.

So berichtete Arlindo von den Aktivitäten zur Umsetzung der Kampagne für soziale Sicherheit, die auf dem internationalen Weltrat 2008 als Schwerpunktthema für die gesamte internationale CAJ beschlossen wurde. Die Europäische CAJ befasse sich derzeit – so Bridget – mit prekären Arbeitsverhältnissen und ist stolz auf die Fortschritte bei den Neuaufbaubemühungen der CAJ in der Ukraine. Die Gäste regten an, Wege zu finden, um die internationale Kampagne für soziale Sicherheit mit dem CAJ-Jahresschwerpunkt „berufliche Perspektiven Jugendlicher“ zu verknüpfen.

Neben dem inhaltlichen Schwerpunkt berichtete Arlindo von der Wiederaufnahme des Dialogs zwischen der ICAJ und CIJOC. In den 80er Jahren kam es leider zu einer Spaltung der internationalen CAJ, welche zur Gründung einer zweiten internationalen Koordi¬nationsstruktur (CIJOC) mit Sitz in Rom führte. Nach siebenjähriger Funkstille trafen sich nun die Leitungen beider Sekretariate vom 16.-17. Februar 2010 zu einem Austausch in Brüssel und vereinbarten ein weiteres Treffen im kommenden Jahr. Weitere Themen betrafen den Austausch über die finanzielle Situation der jeweiligen Ebenen. Bridget und Arlindo bedankten sich ausdrücklich für den finanziellen Beitrag, mit dem die CAJ Deutschland die Arbeit der internationalen CAJ unterstützt. Zugleich bestand bei allen Gesprächspartnern Übereinstimmung darüber, dass die langfristige finanzielle Absicherung der Strukturen der CAJ (Regional, Diözesan und International) eine ernsthafte Herausforderung für die gesamte Bewegung darstellt. Auf allen Ebenen ist ein Rückgang der öffentlichen, kirchlichen und privaten Zuschüsse zu verzeichnen, während die Ausgaben (z.B. Personalkosten) stetig steigen. Hierfür sind innovative Ideen von Nöten, wie z.B. die Mitglieder stärker als bislang die Koordinationsarbeit der Verantwortlichen auf verschiedenen Ebenen finanziell unterstützen könnte. Eine Idee dazu wäre z.B. die Wiederbelebung der Tradition der Internationalen Woche, in der die Mitglieder gezielte Aktivitäten zur Unterstützung der Internationalen CAJ durchführen. Für die Zukunft vereinbarten die Gäste mit dem Bundesvorstand eine stärkere und engere Zusammenarbeit, um die internationale Ebene erlebbarer zu machen. So werden etwa die Internationale CAJ dem Bundesverband regelmäßig Informationen über Aktivitäten und Aktionen von CAJlerInnen aus anderen Ländern zur Verfügung stellen. Der Bundesverband prüft seinerseits die Möglichkeit, das Treffen der Mitglieder des internationalen Teams aus allen Kontinenten im Jahr 2011 auszurichten, um u.a. Begegnung mit den CAJlerInnen zu ermöglichen.

Im Anschluss an das Treffen übergaben Gregor und Stephen der Leitung der internationalen CAJ 2.100 Euro, die CAJlerInnen, Diözesanverbände und der Bundesverband für die CAJ-Haiti gespendet haben. Im Namen der CAJ-Haiti bedankte sich Arlindo ausdrücklich bei allen Spenderinnen und Spendern für ihr Zeichen der Solidarität und versicherte die zweckmäßige Verwendung der Spende. Dazu – so Arlindo – habe die kontinentale Leitung der lateinamerikanischen CAJ gemeinsam mit der CAJ-Haiti ein Team gebildet, das die Bedarfslage in Haiti analysiert und effizienten Einsatz der Spenden koordiniert. Der Wiederaufbau des vom Erdbeben zerstörten Nationalbüros der CAJ-Haiti gehört zu den Einsatzprioritäten für die Spenden.

Vom Feiern und vom Kopfschmerz - Zur aktuellen Situation auf dem Lehrstellenmarkt

Jetzt feiern sie wieder. „Die Aussichten für Jugendliche bei der Lehrstellensuche sind glänzend“, so der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Ludwig Georg Braun in der „Bild“-Zeitung. Zu Beginn des kommenden Ausbildungsjahres wird es nach seiner Ansicht wieder mehr Ausbildungsplätze als Bewerber geben.

So erfreulich die Verbesserung auf dem Lehrstellenmarkt ist; die reale Situation für Hunderttausende Jugendliche ist eine andere:

Im März 2008 kamen auf 100 Bewerber 79 Ausbildungsplätze. Während das Bundesverfassungsgericht bereits 1980 urteilte, dass ein ausreichendes Angebot an betrieblichen Angeboten bei den Arbeitgebern liegt, bilden derzeit nur 24 % aller Betriebe aus. Die meisten Ausbildungsplätze, die 2007 zusätzlich angeboten wurden, waren hingegen staatlich finanzierte außerbetriebliche Ausbildungen.

Möglicherweise hat der DIHK-Präsident aber auch einfach die 385.00 Altbewerber „vergessen“, die seit über einen Jahr einen Ausbildungsplatz suchen und in unterschiedlichen Maßnahmen eine Warteschleife drehen. Ihr Anteil an der Gesamtbewerberzahl lag 2007 bei 52%; statistisch gesehen gelten sie jedoch nicht mehr als Ausbildungsplatz suchend, sobald sie in einer Maßnahme fitt gemacht werden sollen für eine Ausbildung...

Dafür werden sie dann aber schnell pauschal als „ausbildungsunfähig“ abgestempelt.

Kopfschmerzen bereitet mir die Tatsache, dass ca. 1,5 Millionen Menschen unter 25 Jahren in der Bundesrepublik über keinen Ausbildungsabschluss verfügen. Sind sie wirklich alle „ausbildungsunfähig“?

„Glänzende Aussichten“ haben in diesem Land vor allem die Besserverdienenden und Hochqualifizierten. Auf der Strecke bleiben Haupt- und Förderschüler/innen.
Als CAJler/innen glauben wir aus unserem christlichen Grundverständnis heraus, dass jeder junge Mensch „mehr Wert ist als alles Gold dieser Erde, weil er Sohn oder Tochter Gottes ist.“ (Joseph Kardinal Cardijn), und leiten daraus das Recht jedes jungen Menschen auf gesellschaftliche Teilhabe ab. Ohne berufliche Ausbildung aber werden die Chancen junger Menschen auf ein „Leben in Fülle“ und Würde drastisch reduziert. Deshalb unterstützen wir das Anliegen der Initiative „Ausbildung für alle“, mit der Jugendliche aus ganz Deutschland ein Grundrecht auf Ausbildung und einen finanziellen Ausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben fordern (www.ausbildung-fuer-alle.de).

Bis es aber soweit ist, dass jeder junge Mensch einen passenden Ausbildungsplatz angeboten bekommt, sollten wir das Wort „ausbildungsunfähig“ aus unserem Sprachgebrauch streichen oder es alternativ zum Unwort des Jahres küren.

In Jugend investieren - nicht nur in Banken und Autos!

Anlässlich der Vorlage des Berufsbildungsberichtes fordert der Bundesvorstand der Christlichen Arbeiterjugend verstärkte Anstrengungen für Jugendliche ohne berufliche Perspektiven

Auf den ersten Blick hat sich die Lage auf dem Lehrstellenmarkt im letzten Jahr entspannt. Erstmals seit 2001 lag 2008 die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze über der Zahl der „unversorgten Bewerber/innen". Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2009 hervor, den die Bundesregierung letzte Woche vorgelegt hat.

Der Bundesvorstand der Christlichen Arbeiterjugend Deutschland (CAJ) hat die im Vergleich zu den Vorjahren grundsätzlich erfreuliche Situation für die Schulabgänger/innen des letzten Jahres begrüßt; zugleich aber darauf hingewiesen, dass dies keinesfalls den Blick auf die immer größer werdende Gruppe junger Menschen verstellen darf, die von unserer Gesellschaft abgehängt zu werden droht.

So sei der optimistische Blick des Berufsbildungsberichtes auf die Statistik des Jahres 2008 vor allem auf einen demographischen Effekt zurück zu führen. Demnach waren im vergangenen Jahr ca. 110.000 junge Menschen weniger auf Lehrstellensuche als im Jahr 2007. Dadurch fiel der Fakt, dass 2008 gut 9.600 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen wurden als im Vorjahr, statistisch nicht so sehr ins Gewicht. Zudem drohe übersehen zu werden,

  • dass alleine in Ostdeutschland 9,0 % weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden als 2007;
  • dass in den Daten der Bundesagentur für Arbeit nach wie vor 320.000 so genannte Altbewerber/innen verzeichnet sind, die die Schule bereits vor mehr als einem Jahr verlassen haben und seit dem verschiedene Warteschleifen drehen;
  • dass die Quote von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die sich 2007 in einer Ausbildung befanden mit 23,9 % um weit mehr als die Hälfte unter der deutscher junger Leute (56,7 %) lag;
  • dass immer noch gut 900.000 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren auf staatliche Hilfe in Form von Hartz IV angewiesen sind.

Dies zeigt nach Einschätzung des CAJ Bundesvorstandes mehr als deutlich auf, dass sich für eine große Zahl junger Menschen die berufliche und soziale Situation nicht verbessert hat. Vielmehr drohe eine wachsende Zahl junger Menschen den Anschluss an unsere Gesellschaft zu verlieren. Diese Einschätzung bestätigt auch eine gerade von der Universität Göttingen vorgelegte Studie zur Situation von Menschen in prekären Lebensverhältnissen. Danach fühlen sich junge Menschen ohne Zukunftsaussichten fremdbestimmt, weil sie Schule als ein „Erlebnis des Scheiterns und des Nicht-Mithalten-Könnens" erleben. Sie erfassen sehr realistisch, dass unsere momentane Gesellschaft ihnen kaum berufliche Perspektiven, Ansehen oder Möglichkeiten des Weiterkommens bietet.

Der Bundesvorstand der Christlichen Arbeiterjugend Deutschland hat an diesem Wochenende deutlich gemacht, dass er diesen Zustand für untragbar hält.

„Wenn momentan in Politik und Wirtschaft vor allem über Banken und Autos geredet wird, reden wir über die Zukunft tausender junger Menschen in Deutschland", so CAJ Bundesvorsitzende Eva-Constanze Selk. „Sie haben am wenigsten zur aktuellen Wirtschaftskrise beigetragen, gehören aber schon jetzt zu ihren Verlierern." Nicht nur seien junge Auszubildende von der Insolvenz ihres Ausbildungsbetriebs bedroht, so Selk weiter - vor allem für die stetige Zahl der Altbewerber/innen sinke die Chance, doch noch eine berufliche Perspektive aufgezeigt zu bekommen.

Unsere Gesellschaft kann es sich auf Dauer nicht leisten, „Zukunftsbewerbungen" junger Menschen eine Absage zu erteilen, so der CAJ Bundesvorstand. Unter dem Motto „Bewerbung auf Zukunft - Absage ausgeschlossen" wird die CAJ deshalb im Juli 2009 „Bundesjugendministerin" Ursula von der Leyen in Berlin die „Dickste Bewerbungsmappe der Welt" übergeben. Darin haben Jugendliche aus ganz Deutschland beschrieben, was sie bereit sind in die Gesellschaft einzubringen - und was sie von der Politik hinsichtlich ihrer Zukunftsperspektiven fordern.

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Termine

So, 08.12.19 - So, 08.12.19 BAG Bildungsgestalter*innen in Münster, Haus Mariengrund
Di, 10.12.19 - Fr, 13.12.19 Ansteckertage für neue Hauptamtliche, Hauptberufliche und geistliche Leitungen in der CAJ in Essen, Haus am Turm
Fr, 10.01.20 - So, 12.01.20 BAG Geschlechtergerechtigkeit in Bonn, Haus Venusberg
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